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Fiktive Lebensgeschichte des Gegenstandes
















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Laterna Magica


Nürnberg; um 1900; eckiges Gehäuse + Schornstein aus Blech, stark korrodiert; Halterung für Kerze innen; ovales Zeichen der Herstellungsfirma: Rad mit Flügeln, darunter E [rnst] P[lank] an der Außenseite der Tür; H.25,5 cm, B. 7cm, L 22cm; Bittkau/Elbe, Dachboden

Die Laterna Magica stammt aus der Nürnberger Spielzeugfabrik Ernst Plank. Es handelt sich um eine Standardausführung, die verglichen mit der fassähnlichen Ausführung und dem Modell "Gloria" zu Beginn des 20. Jahrhunderts am meisten gekauft wurde. Zum Gerät gehören zahlreiche handbemalte Glasstreifen mit verschiedenen Motiven, die durch den dafür vorgesehenen Schlitz am Gerät geschoben werden, während jemand dazu kommentiert. Es gab Bilder für die ganze Familie, z.B. wurden den Kindern Anfang des letzten Jahrhunderts Märchen damit erzählt und die Erwachsenen konnten anhand der Glasstreifen etwas über exotische Tiere und Pflanzen bzw. entlegene Erdteile erfahren. Die Idee solch eines Projektors stammt schon aus dem 17. Jahrhundert, aber hatte ihre Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es sind Vorläufer der Diaprojektoren, welche mit Strom arbeiten, während die Lichtquelle der Laterna Magica eine Kerze war. So konnte die Laterna Magica nur in absolut abgedunkelten Räumen zum Einsatz kommen, da die Lichtquelle Kerze sehr schwach war. Der Schornstein diente dem Rauchabzug.

unpubliziert AS

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Fiktive Lebensgeschichte:


Ich wurde um 1900 in Nürnberg geboren. Mein Vater ist Ernst Plank, der neben mir und meinen Geschwistern viele Spielzeuge herstellte, die Kindern eine Freude machten. Heute bin ich zwar alt und rostig, aber damals glänzte mein Gehäuse wunderbar. Mit einem Jahr wurde ich von meinen Geschwistern im Spielzeugwarenladen getrennt, denn ich kam in eine nette Familie mit fünf Kindern, aber dort nahm man mich nur kurz aus meiner hölzernen Schlafbox, zeigte mich einmal der Familie und packte mich wieder zurück. Die nächste Woche wurde ich dann in meiner Box sehr durchgeschüttelt, aber raus durfte ich nicht. Später erfuhr ich dann, dass man mich auf Reisen geschickt hatte in ein kleines Dorf an der Elbe und dass das Kind, welches mich als erstes mit großen Augen ansah, Klein Lucie war. An diesem ersten Abend in Bittkau an der Elbe hatte ich auch endlich meine erste Vorstellung. Ich war sehr nervös, als man die Kerze anzündete und ich durch sie innerlich strahlte. Die erste Glasplatte, die Lucies Mama einschob war ein fröhliches Winterbild mit spielenden Kindern und dazu gab es eine lustige Geschichte. Ich war auf einmal fast stolz auf mich, denn ich sah wie begeistert und gebannt Klein Lucie und ihr Bruder Wilhelm der Mutter lauschten. Schließlich hatten die Kinder öfter Geschichten erzählt bekommen, aber ich konnte nun auch Bilder dazu liefern auf eine mystische geheimnisvolle Weise im völlig abgedunkelten Schlafzimmer. Danach hatte ich noch viele glückliche Abende mit schönen Geschichten für die Kinder und mit allerlei Geschichten über seltsame Kreaturen am anderen Ende der Welt für die Erwachsenen. Allerdings ließ das Interesse an mir nach und ich wurde erstmal wieder für ein paar Jahre in meine Kiste gelegt um im Schrank zu verharren, was mich sehr traurig stimmte. Wie wunderbar war es als mich nach 10 Jahren mal wieder große Kinderaugen ansahen. Lucies Sohn brachte mich wieder unter Leute und veranstaltete mit seinem Freund Vorführungen in seiner kleinen Kammer, die er extra dafür stockfinster abgedunkelt hatte. Sie erzählten sich dabei gruselige Geschichten über die wilden Kreaturen und hofften nicht vom Vater erwischt zu werden, denn der sah es nicht gern, wenn der Sohn mit Kerzen spielte. Das ist aber nun auch schon wieder viele Jahre her. Ich bin nun über 100 Jahre alt und meine Linsen sind schon etwas trüb geworden, vom Rost ganz zu schweigen. Die letzten 42 Jahre habe ich in einer einfachen Kiste auf dem Dachboden bei Lucie verbracht ohne jegliche Beachtung zu erhalten. Meine wunderbare Schlafkiste ist nämlich aus irgendwelchen Gründen leider abhanden gekommen und da hatte man mir diese Kiste zugewiesen. Erst kürzlich bin ich von Lucies Enkelin wieder entdeckt worden und durfte sogar noch mal auf Reisen gehen von Bittkau aus. Somit habe ich Bernburg und Halle kennen gelernt und konnte auch noch meine Funktionstüchtigkeit noch mal beweisen, die natürlich schon etwas nachgelassen hat, aber das projizieren klappt noch. Ich hoffe nun, einen angenehmen Platz auf einen Schrank zu finden und nicht wieder in diese unangenehme große Kiste zu müssen bis mich ein Urenkel von Lucie findet.
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