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Lebensbericht des Gegenstandes


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Verdienstmedaille der Deutschen Demokratischen Republik


Die versilberte Bronzemedaille hat einen Durchmesser von 32,7 mm. Die Vorderseite zeigt einen breiten Lorbeerkranz. Die Fläche innerhalb des Kranzes ist in drei waagerechte Felder geteilt, die schwarz, rot und gold emailliert sind. Auf dieses Mittelfeld ist das Staatswappen der DDR aufgeprägt. Die Rückseite der Verdienstmedaille trägt die fünfzeilige Inschrift "Verdienstmedaille / der / Deutschen / Demokratischen / Republik", von der die erste Zeile halbkreisförmig gebogen ist. Die Größe der Spange von welcher die Medaille getragen wird beträgt 24 mm x 11 mm. Diese ist mit einem rotem Band bezogen, in welches schwarz-rot-goldene Randstreifen, (symbolisieren die Staatsfarben) eingewebt sind. Auf die Interimsspange (24mm X 11mm), die mit dem gleichen Band bezogen ist wie die Medaillenspange, ist zusätzlich eine 10 mm große versilberte Miniatur der Medaille aufgelegt. Verliehen wurde diese Medaille, welche zu den höchsten Auszeichnungen in der DDR zählte, im roten Verleihungsetui. Dieses ist 10,5 x 6,8 cm groß, im Inneren mit Stoff verarbeitet und durch einen Druckknopf zu öffnen. Mit der Medaille wurde eine Luxus Urkundenmappe überreicht. Sie ist datiert auf den 8. Mai 1965 in Berlin und enthält das Faksimile "Stoph" (Vorsitzender des Ministerrates). Die abgebildete Medaille wurde in der beschrieben Art von 1959-72 verliehen. Seit 1973 war die Verdienstmedaillen der DDR lackiert, um bessere Qualität (z.B. Glanz) zu erzielen.

Die Verdienstmedaille der Deutschen Demokratischen Republik wurde am 4. Juni 1959 gestiftet. Sie konnte für "besondere Leistungen und treue Pflichterfüllung beim Aufbau des Sozialismus und bei der Stärkung und Festigung der Deutschen Demokratischen Republik", wie es im Urkundentext heißt, an Einzelpersonen verliehen werden. Getragen wurde sie auf der linken oberen Brustseite. In der Regel wurde sie für langjährige Verdienste einschließlich umfassender gesellschaftlicher Aktivität um die Stärkung und Festigung der DDR, sowie für Verdienste in der internationalen Zusammenarbeit mit der DDR verliehen. Die Medaille wurde normalerweise einmalig an einzelne Personen vergeben u.a. auch an Manfred Krug und Manfred Stolpe.. Zur Verleihung der Medaille gehören eine Urkunde und eine Prämie z.B. Schiffsreise oder Geld. Da es sich hier um eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen handelte erfolgte die Verleihung durch den Vorsitzenden des Ministerrates, Otto Grottewohl bzw. später Willi Stoph. Geehrt wurde in der DDR gern anlässlich des 1. Mai, dem Internationalen Kampf- und Feiertag der Werktätigen, des Frauentagen (8.Mai) und des 7. Oktober, dem Tag der Republik.
unpubliziert CKT


Literatur:

Bartel, Frank: Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin: Militärverlag der DDR 1979



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Lebensbericht der Verdienstmedaille der Deutschen Demokratischen Republik

Ich, die versilberte Bronzemedaille, habe konstant seit meiner Geburt die Maße 32 x 2 mm im Durchschnitt. Auf der Vorderseite trage ich einen breiten Lorbeerkranz. In der Mitte meines Lorbeerkranzes befinden sich drei waagerechte Felder. Natürlich sind diese schwarz, rot und gold emailliert. Ganz stolz bin, oder soll ich sagen: war ich auf das sich im Mittelfeld befindende Staatswappen meiner guten und, na ja, wohl eher alten DDR.
Auf meiner Rückseite findet sich unser Familienmotto; "Verdienstmedaille / der / Deutschen / Demokratischen / Republik", toll was!?
Aber ich bestehe nicht nur aus dem 32 mm großen Körper. Natürlich besitze ich auch so was wie einen Kopf. Die ehemaligen Genossen haben dazu immer "Spange" gesagt. Ist wohl Ansichtssache. Auf jeden Fall beträgt meine Kopf- oder Spangengröße 24 x 11 mm. Bezogen ist mein Kopf mit einem roten Band, in welches natürlich wieder die Staatsfarben meines ehemaligen Auftraggebers eingewebt sind. (schwarz-rot-golden) Da manche verdiente Genossen nicht immer uns Verdienstmedaillen im ganzen herum schleppen wollten oder konnten, weil sie keinen Platz am Jackett mehr hatten, gibt es mich auch noch in einer kleinen Ausführung. Die Genossen sagten dann immer Interimsspange dazu. Das ist so was wie mein Passbild. Nur der Kopf, aber dann wenigstens schön zurechtgemacht, in dem Fall mit dem Staatswappen.
Zu unseren guten Tagen (bis 1989) zählte meine Familie zu den höchsten Auszeichnungen der DDR. Sogar in einem feinem Verleihungsetui gab es uns. Damit wir besser unter den Massengattungen, wie Aktivistenorden, gefunden werden konnten. Ja, ja, damals ging es uns gut. Da wurde man verliehen für "besondere Leistungen und treue Pflichterfüllung beim Aufbau des Sozialismus und bei der Stärkung und Festigung der Deutschen Demokratischen Republik"
Und heute? Heute kannste solche wie mich für 15 Euro an fast jeder Rumpelecke in Berlin kaufen.
Meine Besitzerin hat mich erhalten, weil sie vorbildlich als Inspektor (Chef) der Kreispost ihre Pflicht erfüllte. Trotzdem waren sie und die anderen Anwesenden nicht so glücklich, als sie mich vom Vorsitzenden des Ministerrates, Willi Stoph, im Haus der Ministerien in Berlin am 8. Mai 1965 verliehen bekamen. Hatte man doch nun die Regelung eingeführt, dass die schöne Prämie zu meiner Verleihung nicht mehr mit vergeben wurde. Ich glaube, viele haben sich eh mehr über das Geld als über einen aus meiner Familie gefreut.
Ja, ja, es ist schon traurig, wenn man erleben muss, nicht mehr gebraucht zu werden. Aber wie sagten meine Genossen einst, "Vorwärts immer, rückwärts nimmer."

unpubliziert CKT

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