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Gegenstandsgeschichte

















1.00

Zehn-Pfennig-Münze des Deutschen Reiches


Deutschland 1907; Kupfer / Nickel;
Durchmesser: 20 mm; Breite: 1mm; Gewicht: 4 g; Leihgabe der Familie Funke (Privatbesitz);
Prägung Vorderseite: Wappen des Deutschen Reiches (s. Abb.1), beidseitig des Schwanzes des Reichsadlers ist der Buchstabe A eingeprägt;
Prägung Rückseite: DEUTSCHES REICH 1907, unten PFENNIG, im Feld 10.

Aus der auf der Vorderseite eingeprägten Schrift (DEUTSCHES REICH 10 PFENNIG) wird ersichtlich, dass es sich um eine 1907 geprägte Münze des Deutschen Reiches handelt, welche einen damaligen Geldwert von zehn Pfennig besaß. Das beidseitig des Schwanzes des Reichsadlers, auf der Rückseite der Münze, eingeprägte Münzstättenzeichen (A) verweist auf die Münzstätte Berlin als Prägeort. Die Münze war vom Zeitpunkt ihrer Prägung gültiges Zahlungsmittel des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreiches. Kleingeldmangel im Verlauf des 1.Weltkrieges führte zu zahlreichen Notgeldausgaben in den Jahren 1914-1918. Die neu geprägten Kleinmünzen wurden, statt aus Kupfer oder Nickel wie die ausgestellte Münze, aus den weniger wertvollen Metallen Eisen oder Zink gefertigt. Die Folgen der Kriegsniederlage (Verschuldung des Staates, Besatzung, Reparationen, Anwachsen des Geldumlaufs und verfehlte Wirtschaftspolitik) führten zur Inflation von 1922/23. Die Regierung der Weimarer Republik konnte die Inflation Ende1923 mit der Einführung der Rentenmark aufhalten. Durch das neue von der Deutschen Rentenbank ausgegebene Geld verlor auch die ausgestellte Münze endgültig jede Kaufkraft.
Es bleibt unklar zu welchem Zeitpunkt die Münze in den Privatbesitz der Familie Funke gelangte. Bis zur Zeit des Wertverlustes dürfte sie sich im Wirtschaftskreislauf befunden haben. Für diese Vermutung spricht auch der geringe nominale Geldwert von zehn Pfennig. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die Münze spätestens ab 1923, dem Jahr ihres völligen Geldwertverlustes, im Besitz der Familie Funke befand. Es gilt als gesichert, dass die ausgestellte Münze von diesem Zeitpunkt an ununterbrochen als Erbstück im Familienbesitz blieb. Die heutigen Besitzer erklärten sich bereit die Münze erstmals aus ihrem Privatbesitz zu geben und sie dem Museum als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.



Rückseite:

Reichsadler, über dem Haupt die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation; auf der Brust des Reichsadlers Wappenschild mit dem Preußischen Adler abgebildet; Preußischer Adler trägt auf seiner Brust den schwarz-weiß karierten Wappenschild der Hohenzoller; beidseitig des Schwanzes des Reichsadlers ist der Buchstabe A

RF
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Gegenstandsgeschichte:

Die Geschichte einer 10-Pfennigmünze


Hallo, ich bin eine 10-Pfennigmünze und wurde 1907, also vor 96 Jahren, mit tausenden meiner Brüder in der Münzstädte von Berlin aus Kupfer oder Nickel hergestellt. Nachdem ich die Fabrik nagelneu und glänzend verlassen hatte, begann für mich eine lange Odyssey. Ich wanderte von Hand zu Hand, aber niemand zu dem ich kam behielt mich lange in seinem Besitz. Auf meiner Reise durch das Deutsche Reich gelangte ich schließlich von Berlin nach Thüringen in den Besitz der Familie Funke. Von ihr wurde damals in ihrem Heimatort die örtliche Post geführt und ich gelangte im Tausch für eine Briefmarke mit dem Bildnis des Fürsten Bismarck in ihre Hände. Schon bald danach brach der Erste Weltkrieg aus. Nach kurzer Zeit tauchten ganz viele Münzen auf, die zwar von außen so aussahen wie ich, aber aus wertloserem Metall hergestellt waren. Diese Münzen gehörten zum Notgeld das die Regierung im Verlauf des Krieges prägen und drucken ließ. Der Krieg war auch für mich eine schlimme Zeit, denn ich verlor in seinem Verlauf an Kaufkraft. 1923 wurde dann neues Geld eingeführt um die Inflation zu stoppen. Doch nachdem die Rentenmark aufgetaucht war, hatte ich endgültig meinen Geldwert verloren. Aber die Familie Funke behielt mich trotzdem. Vielleicht sollte ich ihnen als Erinnerung an die gute alte Zeit vor dem Krieg dienen. Von Generation zu Generation wurde ich nun jahrzehntelang weitergegeben. Dabei sah ich wie alle paar Jahre wieder neues Geld auftauchte. Neue Gesellschaftssysteme entstanden und gingen wieder zugrunde. In der kleinen Kiste in der ich aufbewahrt wurde blieb ich nicht allein. Alle paar Jahre tauchten einige neue inzwischen wertlose Münzen auf. Obwohl ich meine Kaufkraft schon vor langer Zeit verloren hatte, wurde ich dennoch wie ein kleiner Schatz behandelt. Von Zeit zu Zeit öffnete sich der Deckel meines Kästchens und man betrachtete und befühlte mich. Allerdings konnten mich bisher nur die Mitglieder der Familie Funke sehen. Deshalb bin ich froh und auch ein wenig stolz, dass ich nunmehr Teil einer Ausstellung geworden bin und auch andere Menschen mich betrachten können.
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